Bruno Sacco – wir gratulieren recht herzlich

Heute möchten wir ganz herzlich Herrn Bruno Sacco zum 78. Geburtstag gratulieren!

Jedem Alt-Mercedes Enthusiasten ist der Name Bruno Sacco ein Begriff – sicher nicht nur weil seine Arbeit von Vielen (vermutlich unbeabsichtigt) auf die Ende der 1980er bei Mercedes in Mode gekommenen „Sacco-Bretter“ in Form von einem umlaufenden Kunststoffflankenschutz am Karosseriekörper begrenzt wird. Nein er steht für viel mehr!

Am 12.11.1933 im italienischen Udine geboren begann er früh sein Studium an der Polytechnischen Hochschule in Turin um im Anschluss gleich beim weltbekannten Designbüro Ghia erste Erfahrungen zu sammeln.

Im Jahre 1958 trat er in die Daimler-Benz AG ein und wurde fortan von so namhaften Herren wie Rudolf Uhlenhaut, Karl Wilfert, Friedrich Geiger (300SL Flügeltürer und z.B. W108/109) und Béla Barényi (um nur einige zu nennen) begleitet und geformt. Als Stilist (so hiessen bis Ende der 1980er Jahre die Designer im Hause Daimler-Benz) und Konstrukteur arbeitete er u.a. maßgeblich am neuen großen Mercedes 600 (W100) und auch an der legendären Pagode (W113) mit.

Seine erste eigene Design-Projektleitung war das rollende Versuchslabor C111 – ein keilförmiges Sportfahrzeug bei dem erstmals der Computer das sagen über Karosseriestrukturen und deren Auslegung hatte. Von einer Kunststoffkarosserie mit Sicherheitslackierung „Weissherbst“ und von einem 3- oder 4-Scheiben Wankelmotor angetrieben – daraus bestanden Anfang der 1970er Jahre echte Männerträume – sogar Blankoschecks wurden nach Stuttgart-Untertürkheim gesandt – leider erfolglos wie wir wissen.

Parallel wurde Bruno Sacco die Leitung über die Sicherheitsausstellungen und die stilistische Ausrichtung der Forschungssicherheitsfahrzeuge (ESF) auferlegt. Hiermit sollte auf Drängen der Amerikanischen Regierung Anfang der 1970er Jahre eine maximale passive & aktive Sicherheit auf das Automobil übertragen werden. Nur deshalb haben wir heute ABS, Anti-Schleuder-Hilfen und Airbags in unseren Autos!

Im Jahr 1975 übernahm er die Hauptabteilung Stilistik von Friedrich Geiger und führte so noch stäker die Zügel bei der Gestaltung der neuen Mittleren Baureihe W123 und auch der neuen (unserer) S-Klasse W126.

Der W126 wird als erstes echtes „Sacco-Auto“ betrachtet – es war gewiss kein leichtes Unterfangen das Repräsentationsauto schlechthin fit für das Jahr 2000 zu machen. Ende der 1970er Jahre war man noch sehr gebeutelt von den Rohölembargos und das beherrschende Thema war, wie man den Individualverkehr auch weiterhin zeitgemäß aufrechterhalten könnte – man ging um 1980 tatsächlich davon aus dass im Jahre 2000 kein Öl mehr zur Verfügung stehen würde.

Der W126 war der erste Mercedes der konsequent auf Leichtbau, Aerodynamik und Nachhaltigkeit getrimmt wurde.
Aus einer Pressenotiz von vor einigen Jahren ein Zitat von Hans-Dieter Futschik: „Mit dem W126 war eine starke Versachlichung ins Design gekommen – keine Doppelchromstoßstangen mehr, kaum Chrom, Schmuck und Verblendungen. Der W126 wirkte fast nüchtern. Die Plastikteile am Auto wie die seitlichen Planken (auch „Saccobretter“ genannt) und die Kunststoffstoßfänger gerieten stark in die Kritik. Dabei waren sie technologisch eindeutig besser als die zuvor üblichen Chromstoßstangen. Aber die Leute wollten sonntags was haben zum Polieren und Kunststoff erfüllte nicht ihre Vorstellungen von hoher Wertigkeit. Ganz klar aber ist, dass der W126 sehr schöne, stimmige Proportionen hatte, sehr ausbalanciert. Sie zeigten den Status einer S-Klasse, waren aber nicht schwerfällig. Das Design die richtige Mischung aus Volumenpräsenz und Agilität, hatte Statik, aber auch Dynamik und die Front zeigte das klassische Mercedes-Bild.“

Nach dem W126 – bei dem Bruno Sacco sowohl für die Limousine, wie auch das Coupé SEC verantwortlich war – bekam er wohl eine der schwersten Aufgaben seiner Laufbahn: er sollte einen neuen kleinen Einsteiger-Mercedes entwerfen. Der früher im Volksmund Baby-Benz genannte Mercedes W201 war 1982 ein meinungsspaltendes Modell, die Einen liebten ihn, die Anderen nannten ihn nicht einmal Mercedes.

Bruno Sacco sagte hierzu in einer Pressenotiz im Jahr 2000: „Der Mercedes 190 war ein Auto, das formal provozieren sollte. Wir wollten neue Kunden erobern und mussten deshalb Aufmerksamkeit wecken – zum Beispiel durch ein für damalige Verhältnisse ungewöhnliches Heck-Design und sehr markante Konturen. Wenn ich mir diesen Wagen heute anschaue, muss ich sagen, dass er noch immer ein sehr schönes Auto ist.“

Nach dieser Mammutaufgabe galt es daran die neue Mittlere Mercedes Baureihe W124 in Form zu bringen. Im Nachhinein betrachtet ist dies ebenso hervorragend gelungen und der W124 wird heute fast schon als letzter echter „Benz“ tituliert und das obwohl er weder Chromzierrat trägt, noch aus Vollmetall (so nennen Mercedes-Enthusiasten die alten Mercedes-Modelle der 1960er und 1970er Jahre gerne) gefertigt wurde.

1987 wurde er zum Direktor des Bereichs Design durch den Vorstand ernannt.

Im Jahre 1989 schuf Sacco nach eigenen Worten eine Skulptur – als der neue Roadster SL (R129) auf die Straßen dieser Welt gelassen wurde. Er erinnerte sich mit den Worten: „..so ziemlich das perfekteste Auto, das ich je entworfen habe – in ihm ist eine gewisse Professionalität zu erkennen.“

Eines seiner letzten Werke war die 1991 neu auf den Markt gebrachte S-Klasse W140. Leider war dieses Fahrzeug seiner Zeit um mehr als 20 Jahre voraus – wie so gut wie jede S-Klasse. Doch diesmal kamen viele gesellschaftspolitische Ereignisse hinzu die wärend der Entwicklung dieses Fahrzeugs nicht absehbar waren – es war nicht mehr „in“ zu zeigen was man sich leisten kann, ein Luxusauto sollte sozialverträglich sein und in diese Zeit passte der mehr als pompöse W140 nicht wirklich hinein – zumindest in Westeuropa, denn in allen anderen Kernmärkten erfreute sich diese S-Klasse großer Beliebtheit.

Bruno Sacco sagte zum W140: „ein nahezu puristisches Auto, an dem vielleicht irgendwann einmal die Größe gestört hat – doch in der Behandlung der Flächen und der Details ist das Auto schon sehr puristisch. Wenig beachtet wurde damals auch, dass wir dem Wagen die protzige Kühlermaske entwendet hatten – eine Veränderung, die wir schon lange versucht hatten, doch sie wurde intern nie akzeptiert.“

Für uns heute eher weniger interessant (vermutlich nur noch eine Frage der Zeit), aber er zeichnete auch verantwortlich für das Vier-Augen-Gesicht der neuen E-Klasse W210 die im Jahr 1995 debütierte und entwarf auch den neuerlichen Baby-Benz in Form der ersten A-Klasse W168.

Als sein Abschlusswerk kann heute die S-Klasse W220 gelten die er 1998 ablieferte und überaus beliebt war.

Im März 1999 übergab er nach 41 Jahren Zugehörigkeit im Mercedes-Design die Bereichsleitung an Peter Pfeiffer ab.

Wir alle haben heute das Glück uns diese schönen Fahrzeuge aus Bruno Saccos Hand kaufen zu können und so richtig klassisches Design praktisch tagtäglich erleben und geniessen zu dürfen – vielen Dank, Herr Sacco.

Fotos: ©Daimler AG

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