Achsvermessung am W126 – die Kür einer guten Werkstatt

Mit Sicherheit stand Jeder von uns schon einmal vor eben genau dieser Frage – Achsvermessung am W126: wirklich nötig? Ja oder nein und wenn ja, wo diese am besten durchführen lassen?
Gleich zum Reifen-Toni um die Ecke, so wie es fast alle machen? Oder in eine dieser Werkstattketten die es für 50 EURO Festpreis anbieten? Fragen über Fragen…

Wenn man – wie es sich für jeden W126-Fahrer gehört – bereits vor Jahren die CD-Rom oder auch neuerlich die DVD mit dem Werkstattinformationssystem (WIS) gekauft hat, so dürfte die ‚40-320 Radeinstellung an der Vorderachse‚ zumindest nicht mehr gänzlich unbekannt sein.

Hat man dort nun einmal einen Blick hinein geworfen, so sieht man das fast ein kleines Staatsexamen dazu nötig sein dürfte um den W126 wieder zu korrekten Achsgeometrien zu verhelfen. Das alles kann also nur ein Thema für die Werkstatt des Vertrauens (oder des geringsten Misstrauens) sein.

Im Kölner Raum zum Beispiel hat man das Glück, dass gleich mehrere Mercedes Niederlassungen und Vertretungen um die Gunst der Kunden buhlen. Das hat übrigens auch seinen Sinn und Zweck, zumal jede unterschiedliche Entfernungen zueinander aufweisen und so für jeden Kunden etwas dabei sein dürfte. Anders wenn man ein sehr schwieriger wählerischer Kunde ist, dann hat man in den letzten 10-15 Jahren nämlich schon 2/3 der Servicestationen im Umland kennengelernt und macht um manche einen größeren Bogen als eigentlich nötig – wer kennt das nicht – aber dies würde an der Stelle zu weit führen.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt. Nach wenig erquickenden Aussagen zweier Mercedes-Werkstätten (u.a. eine NDL) besinnt man sich mal auf die kleineren Betriebe, diese sind in der Regel deutlich näher am Kunden und bemühen sich auch mehr um einen – so jedenfalls mein Eindruck.

Ortstermin bei Motor-Fritsche in Köln-Lövenich, der Name ist seit 1961 bekannt für gute Serviceleistungen am Kunden, aktuell in der dritten Generation und natürlich Inhabergeführt. Alles Punkte die mich neugierig machen – am Telefon wird mir sogleich auch erklärt dass man sich sehr gerne meines W126 annehmen würde. So mit offenen Armen (ohne gleich Dollarzeichen in den Augen des Gegenüber zu sehen) wurde ich selten empfangen – doch das gibt mir ein gutes Gefühl und ich lasse meinen Wagen dort.

Wenn ich auch bekanntermaßen kein Fan davon bin den Wagen in der Werkstatt zu lassen – lieber lege ich mir die Termine so, dass ich nach Möglichkeit darauf warten kann – aber im Falle der Achsvermessung stellt sich heraus das es wirklich Sinn macht.

Eine Achsvermessung, gerade an den Baureihen W116, W126 und W123 ist durchaus ein Gradmesser für eine Werkstatt. Klar kann man das auch mal hier und da hinbiegen und der Wagen läuft nachher gut, doch perfekt wie es von Daimler-Benz seinerzeit erdacht wurde ist es nur wenigen Betrieben möglich. Man kann fast sagen: nur solchen Betrieben die sehen was ein solcher Mercedes-Klassiker einmal war und heute ist.

Auch in Köln-Lövenich geht es nicht zack, zack von der Hand, man muss sich verständlicherweise erst durch das filigrane Achsgewirr des W126 kämpfen. Bei modernen Mercedes-Autos gibt es meist Rastpunkte an den Exzenterschrauben und sie sind im Handumdrehen korrekt vermessen und eingestellt: schöne neue Welt möchte man meinen. Doch mitunter ist es bei den alten „Präzisions-Achsen“ einfach noch ein Grad genauer und somit verfügen diese Wagen (wenn perfekt eingestellt) über einen Geradeauslauf der sich auch 30 Jahre danach nicht verstecken muss! An dieser Stelle sei einmal erwähnt das die Vorderachse im W126 eine Weiterentwicklung der Achse des W116 ist, dessen Vorderachse wiederum erstmals 1969 im C111 erprobt wurde. Es handelt sich also praktisch um eine Rennwagenachse!

Dies soll jetzt alles nicht unbedingt als Schleichwerbung verstanden werden, doch euch aber aufzeigen dass es durchaus Mercedes-Werkstätten gibt in denen man mit diesen alten Fahrzeugen adäquat behandelt wird ohne sich gleich wie Mister Rockefeller an der Zahlkasse vorzukommen. Vorteil in den kleineren Betrieben ist neben der Nähe zum Kunden (und dem Zeit nehmen für den Kunden) das man gerne auch mal nach Festpreisen bzw. bei Klassikern auch nach Sonderkonditionen fragen darf ohne sogleich des Hofes verwiesen zu werden.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh diesen „Test“ gewagt zu haben, denn wer diese schwierige Aufgabe der Achsvermessung am W126 meistert, der ist auch für alle anderen Aufgaben die man selbst nicht durchführen kann oder möchte eine erste Anlaufstelle!

Bester Indikator für einen für uns interessanten Betrieb ist immer auch die Dichte an klassischen Mercedes-Fahrzeugen aus den 1970er und 1980er Jahren. Neben meiner BlechDiva™ waren da noch zwei weitere W126 und auch zwei R107 auf dem Hof und in der Werkstatt – spricht für gutes Karma.

Ein ähnlich guter Werkstatt-Tipp für Frankfurt/Main wird in den kommenden Wochen auch von Kollege Fünfkommasechs vorgestellt werden.

Für meinen Teil heißt es: DANKE sagen und verkünden, dass die Fahrt nach Ornbau damit als bestätigt anzusehen ist.

Fotos: ©fuenfkommasechs.de

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